Två veckor i Sverige, två veckor i Göteborg

Zwei Wochen sind es also schon. Zwei Wochen in Schweden und zwei Wochen in Göteborg. Zeit also die ersten Eindrücke zu verworten und euch an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Vorweg: Schwedisch spreche ich noch kaum ein Wort. Sprachkurse sind gebucht und fangen bald an: es gibt Wetten zu gewinnen!

TL;DR (To long, did not read oder die moderne Zusammenfassung)

Mit Zug und Fähre nach Göteborg ++ Mit Dinner und Bar empfangen ++ Wohnung bezogen ++ Frisbee-Golf verloren ++ Ermasmus Déjà-vu erlebt ++ Ersten Vorlesungen genossen ++ Stadt erkundet ++ Brauvorhaben gefasst ++ Kein Basketball ++ Rundreisen werden gebucht ++ Ach, und ich studiere…

Das aus dem Kämmerchen in Hamburg und Bamberg geplante wird dann plötzlich Realität und Tobi sitzt im ICE Richtung Göteborg zum Anfang seines zweijährigen Masters in Software Engineering. Zwölf Stunden Zug standen dem armen Reisenden bevor (ich habe euch mit den Augen rollen sehen!). Der ICE so voll, dass Tobi im Kinderabteil mit Straßenteppich zu seinen Füßen saß. Nach vier Stunden gleitet der Zug auf eine Fähre über Puttgarden und später dann irgendwie von Kopenhagen nach Malmö (der Reisende schlief). Zack zack rollte das Gefährt in Göteborg ein und Tobi mit seinen Koffer weiter quer durch die Innenstadt auf der Suche nach einem kleinem Kaffee in dem er sich mit Editha (ehemalige Mitbewohnerin aus Hamburg) treffen sollte. Verwirrt und von der neuen Umgebung geblendet hat er nicht mal das vereinbarte Café gefunden und setzte sich beleidigt in ein anderes. Editha eine SMS geschrieben: "Sitze in einer Straße die auf …gatan endet!" - Antwort von Editha: "Gatan heißt Straße du Trottel!".

Die ersten Stunden des weiteren Abends verliefen im Schnelldurchlauf und fühlten sich so schnell wie diese Aufzählung an: Kaffee trinken, in den Bus zum Wohnheim, Koffer reinschmeißen (hier schlägt die Autokorrektur hartnäckig "reinscheissen" vor), Mitbewohnern die Hand schütteln, in den Bus zu Freunden Edithas, essen & trinken und langsam in das Pustervik (Bar/Club) um die Ecke schlendern. Bewaffnet mit Bier zur Linken und Schläger zur Rechten läuft das Volk (50 Frau und Mann) um eine Tischtennisplatte. Wer sich nicht an die Schule erinnert fühlt, hier die Regeln: raus ist, wer den Ball nicht auf die Platte bringt. Großartig! Das Spiel und der Abend waren lang und Tobi wanderte später quer durch die neue Stadt Richtung Studentenwohnheim und schließ selig (danke Autokorrektur, das schreibt man mit einem e: i knew that!) in seinem kurzen und schmalen Bett.

Am nächsten Morgen hatte der Protagonist dann kurz Zeit seine Wohnung genauer zu betrachten. Ein großes, karg eingerichtetes Zimmer, ein überdimensionierter Flur, eine geräumige Küche und vier Mitbewohner sprangen ihm vor die Augen. Der eine beschwerte sich gleich über Dreck fügte aber hinzu, dass bald seine Freundin zum putzen käme. Tobi konnte sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen und fügte hinzu, dass die Welt eben nicht immer so sauber wie bei Mami in der Vorstadt bleibt. Man teilt sich zu zweit ein Bad und Kühlschrank. Die Wohnung liegt südlich (30 Minuten ins Zentrum) im 13 Stock - die Feuerleiter geht nur bis zum siebten. Im EG gibt es einen Kinosaal mit riesem LCD, eine Sauna, Pool- und Waschraum. Vorgebaut ist eine kleine Terrasse mit Grillflächen und Sitzbereichen. Drei Monate hat Tobi nun Zeit sich hier einzuleben und dann eine neue Wohnung zu finden. Was soll's fünf Wohnungen in den letzten sechs Wohnungen in den letzten anderthalb Jahren: sesshaft wird man früh genug.

Am nächsten Tag stand (ich wechsle mal besser in die Ich-Perpektive) Frisbee-Golf an. Göteborg hat zwei große Parks, einen zum Joggen, den anderen mit Zoo und Botanik. Im ersteren finden sich überall verteilt kleine Anlagen in die man das Frisbee werfen kann (besser kann ich es nicht erklären). 14 Bahnen unterschiedliche Länge mit teilweise Bäumen und Gestrüpp im Weg. Jeder wirft, manche treffen schneller als andere und alle lachen sich über die mangelnde Koordinationsfähigkeit des Nachbarn kaputt.

Irgendwann war auch der Tag vorbei und am nächsten standen die großen Einführungstage auf der Tagesordnung. Man rennt mit 2000 Mann über den Campus und lässt sich rechtliches (links rein rechts raus) erklären, die Pubs zeigen (rote Punkte auf der Karte markieren), die Fakultät zeigen (den Weg verinnerlichen) und die Cafeteria zeigen (schonmal das weiße Handtuch legen). Es gibt zwei Campen/Campi/Campüsse: Johanneberg (bitte weich sprechen) und Lindholmen (knallhart gesprochen). An letzteren werden die Nerds & Geeks abgeschoben - außerhalb aber moderner und schöner! Direkt am Wasser gelegen, sodass man sogar mit einem Boot anreisen kann (bald dann mein Böotchen). Der Campus ist gleichzeitig industrieller Hub und Forschungszentrum Göteborgs. Vieles läuft in Kooperation mit Ericcson, Saab, Volvo und sonstigen nationalen Größen (wer hätte das geahnt). Die Professoren werden geduzt und verhalten sich extrem freundschaftlich, dafür wird über jeden spät zu Vorlesung kommenden gewitzelt. Das Semester unterteilt sich in zwei Perioden mit jeweils zwei Modulen in denen viel über Individual- und Gruppenleistungen geprüft wird. Alle warnen schon vor dem extremen Aufwand im Master (die Geschicht' kennt man): wir werden sehen - mit Peitsche allein bewegt man mich nicht, dazu braucht es schon ein wenig Zuckerbrot. Die nächsten Tage waren gespickt mit gemeinsamen Veranstaltungen. Zum Beispiel einer Reise zu den Schäreninseln, den vor Göteborg liegenden kleinen Urlaubsinseln der ansässigen Nobelschröder. Die ganz mutigen unter uns (war ich nie) haben es sich nicht neben lassen in die Nordsee zu hüpfen und sich danach gut Deutsch ein Bier aufzumachen. Die gesamten Tage fühlten sich wie ein Déjà-vu zu England an. Die ersten 20 Minuten jeden Smalltalks laufen gleich ab: woher, was, wieso, wie lange und wie findest's? Man betreibt Selektion. Ich hatte fast vergessen wie viel Spaß man mit Griechen und Franzosen haben kann wenn man sarkastisch über die Nation des anderen herzieht. Gleichzeitig ist es unglaublich viele Deutsche Austauschstudenten hier rumtingeln, eine Enklave nahezu. Schnell bilden sich die Grüppchen per Nation... Ich muss vorsichtig Abstand wahren und mich nach Ureinwohnern und Quereinsteigern umsehen und den Haufen bunt gemischt halten. Die ersten Konzerte stehen bereits an. Zuerst die Japandroids: zwei Männer, eine Gitarre und ein Drumkit - kaboom!

Sportlich scheint hier weniger los zu sein: man trifft sich, hat Spaß und spielt ein wenig. Nur, dass keiner verliert sondern alle Freunde sind. Frei nach dem Motto in der Uni: du hast es nicht falsch gemacht, nur fast richtig. Welch' ein Gräul. In nächster Zeit werde ich daher die ansässigen Mannschaften abklappern. Kein Basketball und ergo kein Sport erscheint mir doch etwas gewagt. Nebenher buchen alle schon Rundreisen nach Lappland, Russland oder die baltischen Staaten. Ich würde und werde erstmal das Umland nördlich von Göteborg erlaufen und anschauen. Kurz noch ein wenig Vokabular aus der neuen Sprache, die doch recht unterhaltsam ist:

So lebt Tobi nun dahin und merkt langsam, dass er zwei Jahre hier wohnen wird. Aus einem Urlaubsgefühl wird dann wohl doch ein Studium.

Schluss jetzt, morgen ist um 8:15 Uni (wie jeden Tag, immer von 8:15 bis circa 12:00 oder 14:00 Uhr). Danach macht man Hausaufgaben, trinkt Kaffee und prokrastiniert fleißig.

Hadi Got & to be continued